Gesundheitsregion plus Miltenberg Gesundheitsregion plus Miltenberg

1. Treffen der Arbeitsgruppe "Gesundheitsversorgung"

06.07.2015
Am Mittwoch dieser Woche ist die Gesundheitsregion plus Miltenberg mit dem ersten Arbeitsgruppentreffen der AG Gesundheitsversorgung in die inhaltliche Arbeit eingestiegen. Thema der von Landrat Jens Marco Scherf geleiteten Sitzung war die Bestandserhebung in den wichtigsten Bereichen der Gesundheitsversorgung. Insgesamt wurden von dem 21-köpfigen Gremium sieben große Themenfelder bearbeitet.

Michael Heiligenthal von der Bezirksstelle Unterfranken der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns beleuchtete die ambulante ärztliche Versorgung im Landkreis. Er berichtete u.a., dass bei den Hausärzten in deren beiden Planungsbereichen Miltenberg sowie Obernburg / Elsenfeld / Erlenbach mit 32 bzw. 47 Ärzten einerseits momentan zwar eine Zulassungssperre bestehe, andererseits aber 40,6 bzw. 29,8 % der Ärzte der Altersgruppe 60 plus angehörten, so dass in den nächsten fünf bis sieben Jahren mit einem erheblichen altersbedingten Ausscheiden von Ärzten aus dem Berufsleben zu rechnen sei. Lediglich für HNO- und Kinderärzte sowie kinder- und jugendliche Psychotherapeuten stünde momentan jeweils eine halbe Planstelle zur Verfügung. Außerdem stellte er die aktuelle Situation beim allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst im Landkreis dar und nahm er zum bereits seit Jahren bestehenden Wunsch der Landkreisbevölkerung und der Landkreispolitik nach einem speziellen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst Stellung.

Zur Krankenhausversorgung der beiden Helios-Kliniken im Landkreis lieferten der Geschäftsführer Norbert Jäger und der Ärztliche Direktor Dr. Siegfried Beller aktuelles Zahlenmaterial. Sie berichteten u.a. von einer guten bis sehr guten Auslastung der geriatrischen Rehabilitationsabteilung in Miltenberg und einem Trend zu mehr ambulanten Operationen sowohl an der Klinik in Miltenberg als auch an der Klinik in Erlenbach. Erfreut zeigten sie sich über die jährlich rd. 700 Geburten in der Klinik Erlenbach und außerdem über den dortigen kontinuierlichen Ausbau der Schlaganfallversorgung im Rahmen des TRANSIT-Stroke-Netzwerkes.

Zur Situation bei der Rehabilitation berichtete Judith Seidel, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus von 125 Krankengymnasten und Physiotherapeuten, 11 Logopäden sowie 7 Podologen und medizinischen Fußpflegern/innen, welche zum 31.12.2014 im Landkreis Miltenberg im ambulanten Bereich in Praxen tätig gewesen sind. Außerdem verwies sie auf die stationäre geriatrische Rehabilitationsabteilung mit 32 Plätzen an der Helios-Klinik in Miltenberg.

Helga Nutz, Vorsitzende des ökumenischen Hospizvereins und Vertreterin des Hospiz- und Palliativarbeitskreises im Landkreis Miltenberg führte aus, dass die hospizliche und palliative Versorgung verglichen mit anderen Landkreisen durch die Hospizgruppen, die beiden stationären Hospize in Alzenau und Walldürn, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) sowie die Klinik für Palliativmedizin und deren Tagesklinik am Klinikum Aschaffenburg sehr gut aufgestellt sei. Hauptproblem sei, dass viele Menschen aufgrund Informationsmangels die gesamte Angebotspallette nicht kennen und deshalb auch nicht davon profitieren. Bedacht werden müsse zudem die traditionelle Ehrenamtsstruktur der Hospizbewegung, woraus sich ebenfalls viele Probleme ergäben.

Beate Höltermann, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege in Erlenbach machte deutlich, dass bei einem Jahrgang nur ca. 50 bis 60 % der Auszubildenden ihre Ausbildung tatsächlich beenden. Die Auszubildenden bräuchten generell mehr Begleitung durch die Berufsfachschule und die Praxisstellen. Eine Re-Finanzierung der Praxisanleiter sei ihr ein großes Anliegen. Die generalistische Pflegeausbildung solle laut Referentenentwurf kommen. Hier sei man in gutem Austausch und enger Abstimmung mit der Berufsfachschule für Krankenpflege in Erlenbach.

Die Apotheken- und Arzneimittelversorgung wurde von Thomas Zeitner, Vertreter der Bayerischen Landesapothekerkammer und ersten Vorsitzenden des Main-Aponetzes, vorgestellt. Die Apothekenversorgung sei mit 31 öffentlichen Apotheken im Landkreis derzeit noch gut bis sehr gut. In den nächsten Jahren sehe er aber beim Personal erhebliche Nachwuchsprobleme. Im Jahre 2014 habe deshalb auch eine Apotheke im Landkreis schon schließen müssen.

Dr. Meinhard Gruber, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayerischer Untermain nannte die Bereiche des Rettungsdienstes und die jeweiligen Zuständigkeiten und stellte die Organisation und Ausstattung im Landkreis Miltenberg vor. Außerdem ging er auf die gesetzlichen Anforderungen und hier insbesondere auch auf die Fahrzeit und die diesbezüglichen Ergebnisse in den verschiedenen Versorgungsbereichen des Landkreises Miltenberg ein und stellte die diesbezüglichen Probleme und Problembereiche vor.

Rainer Kolbe, stellvertretender Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Miltenberg - Obernburg, der im Landkreis Miltenberg mit der Durchführung des Rettungsdienstes betraut ist, berichtete ergänzend, dass die Erhöhung der Vorhaltstunden des Rettungswagens am Stellplatz Amorbach voraussichtlich zum Oktober 2015 erfolgen könne. Außerdem nannte er es als ein sehr großes Problem, dass 20 % des Rettungsdienstes durch Ehrenamtliche erfolgen müsse, deren Gewinnung immer schwieriger werde.

Die Ergebnisse der Bestandserhebung werden dem Gesundheitsforum in seiner nächsten Sitzung vorgestellt. Dieses entscheidet dann über das weitere Vorgehen und erteilt die nächsten Arbeitsaufträge.

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