Digitalisierung Schritt für Schritt voranbringen

27.02.2019
Beim Runden Tisch zur Digitalisierung im Gesundheitswesen und in der Pflege im Landkreis Miltenberg, der auf Einladung von Landrat Jens Marco Scherf am Mittwoch im Landratsamt stattfand, bekamen die Gäste einen Überblick aller im Landkreis umgesetzten, in Erprobung und in Überlegung / Planung befindlichen Maßnahmen.

Laut Landrat sei Digitalisierung nie das Ziel an sich, sondern ein Instrument, welches den Menschen dienen und zu einer effizienteren Gesundheitsversorgung und Pflege beitragen müsse. Vor Vertreterinnen und Vertretern des Ärztenetzes Untermain, des BRK-Kreisverbandes, des Kreis-Caritasverbandes, der Caritas-Sozialstation Erlenbach, der Helios-Kliniken Erlenbach-Miltenberg, des Kreisaltenheimes Amorbach, des Seniorenwohnstiftes Erlenbach, der Heilmittelerbringer im Landkreis sowie der Odenwald-Allianz stellten zunächst Geschäftsführer Sven Axt und Dr. Siegfried Beller, Ärztlicher Direktor der Helios-Kliniken, die von der Helios-Klinik Erlenbach bereits umgesetzten Maßnahmen vor. Bei der Digitalisierung sei man im Vergleich mit anderen Kliniken schon weit fortgeschritten und sehr gut aufgestellt, resümierten sie. Anfänglich seien die Mitarbeiter skeptisch gewesen, inzwischen hätten sie aber die Vorteile erkannt.

Edwin Pfeifer, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes, stellte die neue Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Helios-Klinik Erlenbach vor, den Notfall-Informations- und Dokumentations-Assistent (NIDA). Der Rettungsdienst könne Patientendaten nun direkt vom Einsatzort in die Klinik senden und damit zur schnelleren und zielgerichteten Aufnahme und Versorgung von Notfallpatienten in der Klinik beitragen. Die NIDA-Schnittstelle funktioniere Pfeifer zufolge hervorragend.

Heinrich Almritter (Geschäftsführer des Kreis-Caritasverbandes) und Elmar Miksche (Leiter des Kreisaltenheimes Amorbach und des Seniorenwohnstiftes Erlenbach) stellten einen anderen Ansatz der Digitalisierung vor. Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und in Kooperation mit dem Institut für Technologie und Arbeit an der TU Kaiserslautern, dem Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen und anderen, hätten die Sozialstation des Kreis-Caritasverbandes und das Kreisaltenheim Amorbach ein Modellprojekt zur Erprobung von Lern- und Experimentierräumen in der Pflege (PFL-EX) gestartet. Das wissenschaftlich begleitete Projekt verfolge einen partizipativen Ansatz mit Einbindung der Mitarbeiter und ziele vor alle auf eine Entlastung der Pflegekräfte durch neue digitale Technologien in der Pflege ab.

Der Vorsitzende des Ärztenetzes Untermain, Dr. Reinfried Galmbacher, stellte die digitalen Vernetzungsversuche bei den niedergelassenen Ärzten vor, bei denen jeweils die verschiedenen IT-Systeme in den Praxen zum Scheitern geführt hätten. Gerade Hausärzte hätten als Primärversorger besonders viele Schnittstellen zu anderen Gesundheitsdienstleistern, was die Digitalisierung zusätzlich erschwere.

Gerhard Schuhmacher, Vorsitzender der Caritas-Sozialstation Erlenbach, berichtete von den Plänen eines „Digitalen Gesundheitsnetzwerks Landkreis Miltenberg“. In Kooperation mit Better@Home, einem Anbieter für digitale Unterstützung in der häuslichen Versorgung, plane er ein Modellprojekt.

Am Ende waren sich Alle einig, dass man bei der digitalen Vernetzung und der Lösung der Schnittstellenprobleme derzeit nur einen Schritt nach dem anderen machen könne; Globallösungen gebe es nicht. Sie vereinbarten eine weitere Zusammenarbeit unter dem Dach der Gesundheitsregion plus. Die Arbeitsgruppe „Gesundheitsversorgung“ der Gesundheitsregion plus wird sich im April weiter mit der Digitalisierung beschäftigen.

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